NACHHALTIGES MÖBELDESIGN

Möbel werden oft per se als nachhaltig bezeichnet. Der Grund hierfür ist meistens der Rohstoff Holz, doch allein dieses Material macht Möbel nicht nachhaltig. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Punkte, die für nachhaltige Möbel berücksichtigt werden sollten. Einige Aspekte sind dabei auch in anderen Designbereichen zutreffend.

Nachhaltige Materialien und effiziente Nutzung 

Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Dabei wurde festgelegt, dass in einem bestimmten Zeitraum nur so viel Holz aus dem Wald entnommen wird, wie in derselben Zeit nachwächst. In heimischen Wirtschaftswäldern wird nach diesem Prinzip gearbeitet. Anders sieht die Situation in Tropenwäldern aus, wo es regelmäßig zu Kahlschlägen kommt. Solches Holz ist daher grundsätzlich nicht nachhaltig und zudem sozial bedenklich. Ebenso entstehen lange Transportwege, die bei heimischen Hölzern entfallen.     

Heimischer Nadelwald mit einzelnen Laubbäumen und Sträuchern

Für nachhaltiges Möbeldesign sind daher regionale Holzarten wie Eiche, Nussbaum, Esche usw. (heimische Holzarten) die beste Wahl. Im Möbelbau werden am häufigsten Materialien aus Holz, Metall und Kunststoff verwendet. Teilweise auch Leder sowie andere Polsterstoffe und Glas. Grundsätzlich ist Holz ein nachhaltiges Material, allerdings kann, wie bereits erwähnt, die Herkunft und der Transport die Bilanz abwerten. Die Metallerzeugung ist energieintensiv, aber Metalle lassen sich in der Regel gut recyceln. Kunststoffe sind sehr vielfältig und können zum Teil recycelt werden, allerdings kann bei der Nutzung der Möbel Mikroplastik entstehen. Möbel wie etwa Stühle aus Kunststoff können generell hinterfragt werden, denn in den meisten Fällen könnten sie auch aus Holz hergestellt werden. Das Material sollte daher besser in kunststoffalternativlosen Industriezweigen eingesetzt werden.   
Eine effiziente Nutzung von Materialien bedeutet, die Abfälle gering zu halten. Ressourcen zu sparen ist wirtschaftlich und nachhaltig zugleich. Es kann auch schon während des Designprozesses die Materialausbeute berücksichtigt werden, was in der Regel bei Plattenmaterialien zu empfehlen ist. Die Materialeigenschaften können zudem die Statik und Konstruktion eines Möbels beeinflussen. Zum Beispiel sind nicht alle Holzarten gleich stabil, was zu größeren Dimensionierungen und einem höheren Materialverbrauch führen kann. Eine kreislauffähige Gestaltung ermöglicht die Weiternutzung oder das Recycling von Materialien. 

Kreislauffähige Produktentwicklung

Im Möbelsektor wird die Kreislauffähigkeit häufig nicht berücksichtigt, da Möbel zu einem großen Teil aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz bestehen. Daher wird davon ausgegangen, dass jede Art der Materialnutzung nachhaltig ist und im Zweifel das Material einfach verbrannt werden kann. Doch bei entsprechender Nutzung kann Holz über Generationen und in mehreren Nutzungszyklen verwendet werden, bevor es verbrannt wird. Dabei spricht man von einer Kaskadennutzung, die im biologischen Kreislauf stattfindet. Materialien zirkulieren dabei so lange, bis sie nicht mehr nutzbar sind. Im technischen Kreislauf befinden sich hingegen Materialien, die sich theoretisch unendlich ohne Eigenschaftsverlust recyceln lassen, zum Beispiel einige Metalle und Kunststoffe (mehr zum biologischen und technischen Kreislauf). Daher sind reine Materialien immer besser als Verbundwerkstoffe, die mit unterschiedlichen Materialien verklebt sein können. Recycling oder die Weiternutzung ist bei solchen Werkstoffen erschwert oder teilweise gar nicht möglich. Bei biologischen Materialien wie Holz ist besonders darauf zu achten, dass keine Giftstoffe (z. B. in Lacken, Klebstoffen) ins Material gelangen, damit diese nicht irgendwann in der Natur landen. Holz mit Dampf zu biegen, ist daher die bessere Variante, als es rund zu verleimen, da das Material dadurch seine Reinheit verliert. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Einzelteile zu verschrauben und nicht zu verkleben.      

Verbund aus Metall und Hanfisolierung - verschraubt und nicht verklebt  

Zerleg- und Reparierbarkeit:

Damit Materialien ihre Kreislauffähigkeit behalten, ist es wichtig, dass Möbel zerlegbar sind. Zum Beispiel durch Schrauben oder Steckverbindungen. Holz, das komplett in Epoxidharz getränkt wird, ist hingegen kaum noch kreislauffähig. Damit Möbel nicht vorzeitig ausrangiert werden, sollte beim Design die Reparierbarkeit berücksichtigt werden. Dabei macht es auch Sinn, auf Standardteil zurückzugreifen, die auch in Zukunft erhältlich sein werden. Eine weitere Möglichkeit wäre, Zeichnungen für den 3D-Druck bereitzustellen. Wenn Produkte repariert werden, verlängert sich ihre Nutzungsdauer. Neben der Voraussetzung, dass ein Produkt reparierbar ist, gibt es noch weitere Aspekte, damit es überhaupt von seinen Besitzern repariert wird. 

Langlebiges Design, Handwerksqualität und Emotion  

Langlebigkeit sorgt für eine lange Kohlenstoffbindung. Holz, das so lange genutzt wird, bis in der Zwischenzeit wieder ein neuer Baum gewachsen ist und gefällt wird, weist eine sehr gute CO₂-Bilanz auf. Möbel, die lange genutzt werden sollen, benötigen ein dementsprechendes Design sowie eine hohe Fertigungsqualität.

Unruhiges und schlichtes Holz

Zeitloses Design:

Damit Möbel über einen langen Zeitraum funktionieren, ist eine zeitlose Gestaltung vorteilhaft. Dafür sollten Trends nur bedingt aufgegriffen werden. Denn dabei besteht die Gefahr, dass eine Trendumkehr zur Entsorgung von Möbeln oder ganzen Einrichtungen führt. Trends sollten daher, wenn überhaupt, im dekorativen Bereich verfolgt werden. Bei der Gestaltung neuer Möbel sollte sich ein Designer besser als Trendsetter, denn als Trendverfolger verstehen. Das soll aber nicht bedeuten, dass ein neuer Trend oder eine Stilepoche erschaffen werden muss. Langlebige Möbel besitzen klare Formen und Funktionen. Sie sind keine Staubfänger oder wirken wie eine Maschine. Schlichte Materialien, Formen und Farben funktionieren auf lange Sicht immer besser (siehe Abbildung Holzmuster oben). Die Bedürfnisse der Nutzer sollten berücksichtigt werden, eine Veränderung dieser sollte aber nicht zur Unbrauchbarkeit von Möbeln führen.

Generationsübergreifendes Design:

Die Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse jeder Generation unterscheiden sich. Daher kann es zur Herausforderung werden, generationsübergreifende Produkte zu gestalten. Ein guter Ansatz ist hier, ältere Menschen mit ersten Beeinträchtigungen zu berücksichtigen (Design für alle), da diese Generation häufig von der Nutzung ausgeschlossen wird. Es kann dadurch ein Zusatznutzen entstehen, der allen Generationen einen Mehrwert bietet. Zudem müssen generationsübergreifende Möbel wandelbar sein und für mehrere Nutzungsszenarien infrage kommen.

Verbindung mit Holzdübeln

Konstruktion und Ausführung:

Eine fachgerechte Produktion mit statisch richtigen Konstruktionen ist Grundvoraussetzung, dass ein Möbel eine lange Haltbarkeit erreichen kann. Ein Knackpunkt sind hier oft die Verbindungspunkte, dabei ist es besonders wichtig, geeignete Holzverbindungen und Verbindungsmittel einzusetzen. Bei der Möbelproduktion ist zudem auf eine angemessene Materialqualität zu achten. Zum Beispiel können Holzfehler zu optisch unerwünschten Resultaten führen, aber auch die Konstruktionsqualität gefährden. 

Thonet Sessel im MAK-Wien und Möbel meiner Bachelorarbeit

Emotionale Bindung:

Für ein langlebiges Design ist Zeitlosigkeit wichtig. Was aber nicht dazu führen darf, dass Möbel wie unauffällige graue Mäuse entworfen werden. Denn solche Möbel sind emotionslos und haben daher schlechte Karten für ein langes Produktleben. Dafür ist es aber trotzdem wichtig, nicht jegliche Ambitionen für Formen und Farben über Bord zu werfen. Seriell gefertigte Möbel sollten gestalterisch in einem klaren Rahmen bleiben. Extravagante Lösungen eignen sich besser für Einzelstücke und im Kunstbereich. Durch die Gestaltung der Oberfläche bekommen Möbel oft ein völlig anderes Gesicht. Aus der ersten Nachhaltigkeitsperspektive wäre die beste Lösung, wenn keine Oberflächenbehandlung stattfinden würde (Materialreinheit). Allerdings ist häufig durch bestimmte Anforderungen (zum Beispiel Reinigung) eine Oberflächenbehandlung unumgänglich. Ansonsten könnte wiederum die Haltbarkeit und damit die Langlebigkeit in Gefahr geraten. Zudem entfalten alle Farben eine bestimmte Wirkung. Gestalterisch gezielt eingesetzt, kann damit ebenso die Langlebigkeit eines Möbels positiv beeinflusst werden. Auch beim Upcycling von Möbeln werden Oberflächen häufig mit neuer Farbe gestrichen. Das im Do-it-yoursef-Bereich beliebte Upcycling kann damit ebenso zur Langlebigkeit von Möbeln oder Teilen davon beitragen. Selbst hergestellte Produkte haben meist einen emotionaleren Wert, was die Sorgfalt beim Umgang und die Nutzungsdauer eines Produkts positiv beeinflussen kann. Auch besondere Erlebnisse bei der Herstellung eines Möbels werden gerne ein Leben lang nicht vergessen.

Fazit zur Guideline

Nachhaltiges Möbeldesign sieht auf den ersten Blick selbstverständlich aus. Dieser Artikel zeigt allerdings die Komplexität hinter der Fassade. Auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass wesentlich mehr als die Materialität eines Möbelstücks berücksichtigt werden muss. So sollte zum Beispiel kreislauffähiges Design standardmäßig bei neuen Möbelentwürfen berücksichtigt werden. Langlebigkeit hängt stark von der Gestaltung ab, so waren beispielsweise eine Zeit lang Möbel mit Kernfurnieren (Kernbirke, Buche usw.) im Trend, diese Möbel konnten sich aber aufgrund ihrer extremen Raumpräsenz nicht lange durchsetzen. Langlebigkeit ist ein wichtiger Punkt für nachhaltige Möbel, der unter anderem mit einer emotionalen Produktbindung erreicht werden kann. Am Ende braucht es immer Kompromisse, damit im Laufe des Gestaltungsprozesses die beste Lösung gefunden werden kann.      
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